Liebe Mitreisenden,

nach zwei wunderbaren Tagen in Johannesburg bei Rod und Muffy zog es uns weiter Richtung Westen. Johannesburg war toll, aber wir hatten definitiv Landluftbedarf.

Bevor es losging, versuchten wir im Stadtteil Rosebank noch ein Fernglas zu kaufen. Denn wer hat seins Zuhause vergessen? Ich natürlich! Unser Guide Henry meinte, wir bräuchten für den Kruger Nationalpark uuuunbedingt eins (er sollte Recht behalten). Rod und Muffy schickten uns nach Rosebank in den wohl teuersten Kameraladen ever. Zum Glück sind wir nicht gleich rein, sondern haben erstmal durch die Schaufensterscheiben gepiekt. Sind dann ohne Fernglas wieder abgezogen…

Wir verließen die Provinz Gauteng und machten uns auf den Weg nach Mpumalanga.

Das ist die kleinste Provinz Südafrikas, deshalb aber nicht weniger berühmt als die anderen. Im Gegenteil – denn durch Mpumalanga läuft der Blyde River Canyon. Und genau den wollten wir sehen. Das geht zum Glück auch ohne Fernglas.

Für die knapp 400 km lange Strecke von Johannesburg nach Graskop, unserer Bleibe für die Nacht, ließen wir uns ordentlich Zeit.

Man wird hier sowieso automatisch entschleunigt. Ob Menschen, Kühe und Ziegen auf der Straße, oder einfach Schlaglöcher die so groß sind wie unser Auto – man kann hier selten Höchstgeschwindigkeit (100 km/h auf offener Strecke, 60 km/h in bewohnten Gebieten) fahren.

Die Strecke war superschön – wir sind durch riesige Kiefer- und Eukalyptusbaum-Plantagen gefahren und konnten die ätherischen Öle in der Luft fast schmecken. Wir hielten aber nur an, um ein paar Fotos zu schießen, oder Aufnahmen mit der Drohne zu machen. Dass man an den Straßenrändern fast alles kaufen kann, von Souvenirs bis zu Früchten und Tieren, daran hatten wir uns schon gewöhnt. Dass mitten im Nichts, am Robbers Pass, auf einem einsamen Parkplatz eine südafrikanische Omi sitzt und Holzfigürchen verkauft, damit hatten wir aber nicht gerechnet. Wir wollten eigentlich nur ein Video mit der Drohne drehen. Sie ging aber nicht direkt in den Verkaufsmodus sondern rief nur, wie toll es wäre, wenn wir uns ihre Waren anschauen, wenn wir fertig sind mit unseren Gerätschaften. Als die Drohne hochging war sie erstmal völlig konsterniert, fing dann aber an zu lachen. Ich glaube, wenn man dort den ganzen Tag in der prallen Sonne sitzt, mit Handschuhen, Hut und dicken Klamotten gegen die Sonne, ist man froh über jede Ablenkung.

Wie versprochen, ging ich zu ihr, als wir fertig waren. Ich sagte ihr, dass ich nichts kaufen möchte, gab ihr aber ein paar Münzen. Womit ich nicht gerechnet hatte war ihre Reaktion:

„Something to eat? I’m hungry!!“

Die Art und Weise, wie sie das mit ihrer Quietsch-Stimme gesagt hat habe ich jetzt noch im Ohr.

Zum Glück hatten wir noch zwei verpackte Croissants von Rod und Muffy, die wir für Notfälle eingepackt hatten. Das war eindeutig einer. Während wir sie fragten, ob sie auch Durst hat (Yes!), war das erste Croissant schon fast aufgemampft. Also noch die kleine Wasserflasche aus dem Flieger hervorgeholt und drei Personen ein Dauergrinsen ins Gesicht gezaubert.

Blyde River Canyon - Weg nach Graskop
Blyde River Canyon - Weg nach Graskop

Früh nachmittags kamen wir in der Mogodi Lodge in Graskop an.

Dort gibt es tatsächlich kein Internet – herrlich. Dafür aber verzweifelte deutsche und österreichische Touristen, die genau das mit dem Handy in der Hand verzweifelt suchen. Wer möchte kann sich direkt neben der Lodge an der Big Swing ganz locker in die Schlucht stürzen. Natürlich an einem Seil – das aber nicht soooo vertrauenswürdig aussah. Übrigens einer der tiefsten Schluchtsprünge weltweit. Und mit meiner Höhenangst ist so eine Aktion eh Fehlanzeige. Soweit geht meine Abenteuerlust im Urlaub dann doch nicht…

Vollkommen ausgehungert sind wir dann abends im Lodge Restaurant eingefallen. Das Dessert stand schon beim Reinkommen fest: Malva Pudding. In Soweto probiert und verliebt. Hier geht’s zum Rezept.

Für Veggies ist die Auswahl in den Restaurants nicht ganz so groß. Ich werde auch immer ungläubig angeschaut. Macht aber nix. Wenn man sich nur zwischen 1-2 Gerichten entscheiden muss, dauert es auch nicht so lang.

Wie immer probiert sich Christian durch sämtliche einheimische Biersorten. Nachdem das erste Bier ein „Lager“ seinen deutschen Reinheitsgebotsgeschmacksknospen nicht ganz so zusagte, bat er die Bedienung um eine Empfehlung. Empfohlen wurde ein „Draught“ Bier. Neugierig wie er ist wollte er natürlich den Unterschied zwischen einem Lager und einem Draught Bier wissen. Die Antwort: It’s just a larger bottle… So, wo sind die Bierexperten?! Haben Christian und ich zurecht Tränen gelacht, oder sollten wir auch nochmal in die Bierschule?

Erster Stop am Blyde River Canyon: Pinnacle

Der Zutritt kostet 34 Rand (ca. 2€) für zwei Personen. Da hier häufig Dinge den Besitzer wechseln, bitte das Auto unbedingt abschließen. Und wie immer gilt: Am besten alles in den Kofferraum packen und diesen abdecken. Nichts vorne oder auf der Rückbank liegen lassen.

Der Pinnacle ist eine riesige Felssäule, die in eine Schlucht mit Wasserfall reinragt. Er lädt gerade dazu ein, mit der Drohne drumrumzufliegen. Kennt ihr das, wenn ihr so ein ungutes Gefühl in der Magengegend habt? Der Wind hat mir ein wenig Sorgen gemacht und ich habe Christian, nachdem er einen der Tourist Monitors um Erlaubnis gefragt hat, noch zweimal gefragt, ob er sich sicher ist, dass er dort fliegen möchte. Am Ende siegte die Begeisterung für die Aussicht… Also ist er mit unserem kleinen Wächter Kutulu auf eine ebene Fläche und hat ihm erstmal einen Drohneneinführungskurs gegeben. Mir dauert das Drohnengefliege ja immer zu lang. Also bin ich in der Gegend rumgehopst und habe Blümchen, Grashüpfer und Frösche fotografiert.

Als Christian sich mit großen Augen zu mir umdrehte musst er eigentlich gar nichts mehr sagen. Mir war schon klar, was passiert war. „Sie ist weg…“ hat er noch herausgebracht, dann erstmal nichts mehr.

Es startete eine riesige Suchaktion mit mehreren Helfern. Dabei war eigentlich sofort klar, dass niemand in die Schlucht herabsteigen kann.

Mal ehrlich, wer kam eigentlich auf die Idee die Dinger grau zu machen?

Warum haben die Dinger keine Schwimmwarnweste, keinen Fallschirm und ein rotes Blinklicht?! Wir erhielten noch das Signal „Befinde mich in Kipplage“ – dann nichts mehr. Was genau passiert ist, wissen wir bis heute nicht.

Es kamen sogar noch die zwei Parkranger, die uns erstmal aufklärten, dass rumfliegen am Pinnacle ja sowas von nicht erlaubt ist. Als wir ihnen erklärt haben, dass wir Kutulu gefragt haben kam nur trocken: „Don’t ask this one.“. Fasziniert hat mich die unglaubliche Hilfsbereitschaft der Jungs und Mädels vor Ort. Der derzeitige Stand ist: Es gibt einen Freund von Kutulu, der sich den Abstieg in die Schlucht (mit Ausrüstung) zutraut. Wir haben ein Drohnen-Kopfgeld ausgesetzt. Wenn wir der Versicherung bis zum 23.12. die Einzelteile bringen, bekommen wir eine neue… Das hilft uns jetzt erstmal nicht viel, ist aber doch ein Trost. Also drückt die Daumen :-).

Christian war erstaunlicherweise sehr gefasst. Natürlich traurig ohne Ende, aber trotzdem bereit sich auf den Rest des Tages einzulassen.

Blyde River Canyon - Pinnacles
Blyde River Canyon - Drohnenunterricht am Pinnacle

Nächster Halt: God’s Window und Wonder View

Die Bezeichnungen passen. Landschaftlich war es eine Mischung aus Neuseeland und den USA – einfach herrlich.

Auch hier zahlen wir wieder 34 Rand Eintritt. Auffällig ist die muffelige Art mancher Touristen. Kein Hallo, keine freundlichen Worte zu den Einheimischen. Teilweise sind wir echt schockiert und es wundert uns nicht, dass wir von manchen Einheimischen erstmal skeptisch beäugt werden. Bis sie merken, dass wir tatsächlich an ihnen, dem Leben und ihrer Kultur interessiert sind.

Der Weg zu den Aussichtspunkten (300 Stufen) bringt so manchen an seine Grenzen, aber es lohnt sich.

Blyde River Canyon - God's Window
Blyde River Canyon - Frau Reisehas und der World's View

Die Lisbon Falls

Für 20 Rand gibt es hier einen atemberaubenden Wasserfall zu sehen. Ich hätte dem Rauschen des Wassers stundenlang zuhören können…

Blyde River Canyon - Lisbon Falls
Blyde River Canyon - Lisbon Falls

Bourke’s Luck Potholes

Wasserstrudel haben hier über Jahrtausende hinweg Löcher in das Gestein „gespült“. Für insgesamt 68 Rand (ca. 4 €) erhält man hier auch Zugang zu einer riesigen Grillwiese. Als wir da waren hatten sich schon etliche südafrikanische Familien um mehrere Grills versammelt. Der ganze Platz wurde mit Musik aus Autolautsprechern beschallt – am Liebsten hätten wir uns dazugesetzt.

Leider haben wir erst dort festgestellt, dass wir uns beide total den Pelz verbrannt haben. Bei dem Wind ist es uns gar nicht aufgefallen, erst als das Gesicht schon gespannt hat. So ein Mist. Ab jetzt wird sich auch bei Wolkenhimmel eingecremt.

Blyde River Canyon - Bourke’s Luck Potholes
Blyde River Canyon - Bourke’s Luck Potholes
Blyde River Canyon - Bourke’s Luck Potholes

Letzter Halt. Die Three Rondavels.

Mit Ausblick auf den wunderschön türkisen Blyde River ragen hier Felsen in den Himmel, die tatsächlich aussehen wie Hütten (Rondavels). Als hätte sie jemand schön aus der Felswand herausgeformt. Ein schöner Abschluss unserer Zeit am Blyde River Canyon.

Blyde River Canyon - Three Rondavels
Blyde River Canyon - Three Rondavels

Trotz des immer noch schmerzlichen Verlustes unserer Drohne haben wir noch das Beste aus dem Tag herausgeholt – Es gab ja auch genug Ablenkung und wir hatten ja schon das nächste Ziel vor Augen: Den Kruger Nationalpark

Bis bald ihr Lieben.

Fernwehreiche Grüße,

eure Frau Reisehas