Liebe Mitreisenden,

heute ist alles etwas anders…

Denn hier schreibt nicht eure Frau Reisehas, sondern der HERR Reisehas. Da meine Frau gerade zusätzlich zu ihrem Job ihre Masterarbeit schreibt ist das mit dem zusammen reisen gerade etwas schwierig.

Deshalb bin ich ausnahmsweise mal alleine losgezogen bzw. losgesegelt.

Dazu gibt es auch eine kleine Vorgeschichte:

Vor knapp zwei Jahren kam mein langjähriger Freund Stefan auf die Idee ein Segelschiff zu betreiben. Also gründete er unter anderem mit unserer Hilfe den Verein SegelVision und kaufte ein altes Traditionsschiff.

Den Haikutter „Alexa“ aus Laboe.

Stefan hat anschließend seinen Job gekündigt und ist zu „Alexa“ an die Küste gezogen. Und seit Anfang des Jahres können Wasserbegeisterte ihn auf Ostsee-Segeltörns begleiten.

Auch wenn meine Frau Reisehas und ich mit unseren Reisen nach Australien, Neuseeland, Asien und in die USA eher Fernreiseerprobt sind, schauen wir uns auch gerne vor der eigenen Haustür um.

Und deshalb konnte ich mir diese Segel-Möglichkeit natürlich nicht entgehen lassen. Also fuhren mein Kumpel Frank und ich am Donnerstag, den 12.04.2018 um 07:00 Uhr von Frankfurt nach Kiel. Nach einer entspannten Zugfahrt wartete Stefan mit breitem Grinsen an Gleis 5 und brachte uns nach Laboe.

Auf dem Weg zu Alexa mussten wir aber nochmal kurz anhalten. Denn eine Sache darf auf solch einem Törn nicht fehlen… und zwar das obligatorische Einlaufbier, das nach dem Anlegen im Hafen getrunken wird.

Die Alexa ist ein super schönes altes Holzschiff. Sie liegt in Laboe am Hafenplatz 1a – in unmittelbarer Nähe zum Seenotrettungskreuzer Berlin, der von der Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger betrieben wird. Wenige Meter entfernt liegt das bekannte Restaurant „Fischküche Laboe“.

Als erstes bezogen wir unsere Kojen im Salon und richteten uns häuslich ein. Im Inneren von Alexa ist alles etwas enger. Das war für uns zwei Männer mit einer Körperlänge von zwei Metern eine ganz schöne Umstellung. Aber man gewöhnt sich recht schnell ans Rübe einziehen ;-).

Bevor es auf See ging wollten wir Landratten aber noch Laboe und die Umgebung erkunden. Ein toller Ort und auch das Marine-Ehrenmal und das U-Boot 995 waren echt interessant…

Anschließend sind wir erstmal zusammen einkaufen gegangen. Segeln macht schließlich hungrig. Die Bordkasse wird durch die Crew-Mitglieder gefüllt. Nur der Skipper, also der Kapitän ist davon ausgenommen. Von der Bordkasse werden z.B. Hafengebühren, Verpflegung oder Diesel bezahlt.

Abends kam dann noch ein weiterer Abenteurer – Christopher aus Berlin. Mit ihm sind wir dann in der Fischküche etwas essen gegangen und haben den Tag ganz gemütlich ausklingen lassen. Soll ja schließlich Urlaub sein :-).

Freitagmorgen 06:30 Uhr. Auf der Alexa gibt es ein ganz spezielles Guten-Morgen-Weck-Lied… aber das lernt man nur nach einer Übernachtung kennen ;-).

Frisch gestärkt mit Kaffee und Brötchen begrüßten wir die nächsten Crew Mitglieder. Mirjam und Leif. Leif ist die gute Seele von Alexa und war schon lange Jahre bevor Stefan der Skipper wurde Teil des Schiffs.

Nach einer 1-stündigen und sehr intensiven Sicherheitseinweisung legten wir ab und verließen den Hafen von Laboe. Die See war sehr sehr rau. Sie wollte wohl mal testen was wir „Landratten“ so aushalten. Bei Windstärke 6 setzten wir die Segel und wurden gut durchgeschüttelt. Ich bin zwar nicht gläubig aber jetzt weiß ich wie der Satz „Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand“ gemeint ist. Die Hälfte der Crew hatte einen leichten Grünschimmer um die Nase (die Bilder erspare ich euch). Aber es half alles nichts.

Ziel war das 27 Seemeilen entfernte Kappeln.

Skipper Stefan steuerte das Schiff während Maat Leif (also der Bootsmann) uns bei allem anleitete. Mir wurde ganz schwindelig vor lauter Fachbegriffen… Achtern, Baum, Fall, Fieren, Fock, Gaffel, Großsegel, Klampe, Kopfschlag, Lee, Liek und vieles mehr wurde gerufen…

Leif verstand es jedoch uns blutige Anfänger so anzuleiten, dass wir mit Spass bei der Sache waren. Beim Segeln merkt man schnell, dass Einzelkämpfer keine Chance haben. Wer hier glaubt ohne das Team zurechtzukommen wird schnell in seine Schranken gewiesen. Ich fühlte mich trotz meiner Unkenntnis und den rauen Bedingungen sehr gut aufgehoben.

Nachdem wir den Ostseefjord Schlei erreichten war das Wasser deutlich ruhiger und die Gesichtsfarbe wieder rosiger. Nach dem Niederholen der Segel, genossen wir die restliche Fahrt über die Schlei.

In Kappeln mussten wir unser erstes Anlegemanöver meistern. Die Strömung war so stark, dass wir nach zwei erfolglosen Anlegeversuchen an der Backbordseite (links) drehen und Steuerbord (rechts) festmachen mussten. Das klappte dann auch gleich beim ersten Anlauf.

Durch dieses Spektakel haben wir erstmal alle Heringsangler am Ufer verjagt und den Touristen eine tolle Show geboten. Aber da standen wir drüber, waren ja schließlich stolz wie Oskar, dass wir den ersten Tag so gut gemeistert haben. Freud und Leid sind nah beinander, deshalb kam auch gleich der Hafenmeister zum „kassieren“ :-).

Und dann war es soweit – Ich trank mein allererstes „Einlaufbier“. Ein schöner Abschluss eines stürmischen Segeltages. Wir waren alle glücklich-erschöpft und hatten einfach nur noch großen Hunger. Deshalb ging es nach dem Duschen ohne Umwege in die „Bierakademie Alt-Kappeln“. Dort bekommen hungrige und durstige Seefahrer alles was sie brauchen ;-).

Die Müdigkeit holte uns leider viel zu schnell ein, sodass wir zeitig in die Koje gingen. Aber nicht ohne vorher einen „Emmes Katun“ getrunken zu haben – ein Produkt von Leif’s Familie.

Der Samstag begann wieder mit dem Alexa Aufwach-Lied, einem Kaffee, einer Dusche und dem Weg zum Bäcker der glücklicherweise nur 20 Meter entfernt war. Nach einem königlichen Frühstück legten wir zur Freude der Angler ab. Alexa ist halt kein kleines Schiff und braucht ihren Platz ;-).

Wir verließen die Schlei mit Kurs auf Marstal in Dänemark. Leider war es windstill und wir konnten keine Segel setzen. Eine entspannte Tour durch eine dicke Nebelsuppe für circa 30 Seemeilen. Also ich habe mir echt die „Advanced-Tour“ für meinen ersten Segeltörn rausgesucht aber das Wetter ist nun mal nicht immer so vorhersehbar wie uns das die Wetterportale weismachen wollen. Wenn schon das Wetter mies ist muss man schon einen guten Smutje (Koch) an Bord haben. Diese Rolle habe ich gerne übernommen. Zum Mittagessen gab es Würstchen mit Kartoffelsalat. Die gefräßige Stille und das zufriedene Grinsen war wohl das Kompliment der Mannschaft ;-).

Am frühen Nachmittag legten wir in dem kleinen, verschlafenen Küstendörfchen Marstal an. Nach einem perfekten Anlegemanöver, einer kurzen Unterrichtseinheit über das Setzen der „Gastlandflagge“ und den wichtigsten dänischen Wörtern, genossen wir bei nordischen Temperaturen unser Einlaufbier.

Nach dem Tag an Bord war der Bewegungsdrang bei allen sehr groß.

Also erkundeten wir Marstal und deckten uns im Supermarkt mit dänischer Schokolade ein. Leider fanden wir keinen Imbiss mit dänische Fritten. Marstal ist aber trotzdem ein sehr schöner Ort. Freundliche Menschen, saubere und gepflegte Straßen mit vielen bunten Häusern, schön verzierte Eingangstüren und liebevoll hergerichtete Vorgärten.

Zum Abendessen gab es Nudeln mit Chili-Sahnesoße. Der Skipper meinte, dass ich mir damit den Posten als Smutje für alle künftigen Törns an denen ich teilnehme, verdient habe. Wir hatten einen superschönen letzten Abend und lernten uns noch besser kennen. Ich bin immer noch beeindruckt wie sechs so unterschiedliche Menschen, mit den unterschiedlichsten Interessen, Berufen und Hintergründen, innerhalb solch einer kurzen Zeit zusammenwachsen konnten. Aus Fremden wurde eine Crew und aus der Crew wurden Freunde.

Der Sonntag begann für uns alle sehr früh. Denn Frank, Christopher und ich hatten eine feste Zugverbindung ab Kiel gebucht und noch 7 Stunden auf Alexa vor uns. Leif, Mirjam und Stefan hatten es da nicht so eilig. Sie wohnen schließlich in Laboe. Leider machte uns der Gegenwind erneut einen Strich durch die Rechnung, sodass wir mal wieder auf den Motor zurückgreifen mussten. Wir wurden aber in den Gewässern südlich von Dänemark kräftig dafür entlohnt. Wenige Meter vom Boot entfernt tauchten Schweinswale auf. Ein toller Augenblick für uns alle. Die restlichen Seemeilen bis nach Laboe, verbrachten wir bei Regen an Deck. Aber wie sagte mein alter Ausbilder immer: „Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung“. Und die Kleidung war wirklich sehr wichtig. Vor allem die regenfesten und wärmenden Teile ;-).

Bei aufklarendem Himmel und etwas Sonnenschein liefen wir dann im Hafen von Laboe ein. Nach einem letzten fehlerfreien Anlegemanöver und einem klassischen Einlaufbier packten wir unsere Taschen und machten Kassensturz. Auf Grund der vielen wetterbedingten Motorstunden legten wir alle nochmal für die Spritkasse zusammen.

Uns allen war bewusst, dass dieser Törn nun zu Ende geht… allerdings war auch klar, dass dies nicht der letzte Törn war.

Vielen Dank Stefan, Leif, Mirjam, Frank, Christoph und vor allem Alexa. Es war ein tolles Abenteuer mit euch. Wir sehen uns definitiv wieder…

Fernwehreiche Grüße,

euer HERR Reisehas 😉