Liebe Mitreisenden,

nach unserem Roadtrip von Las Vegas nach San Francisco waren wir ehrlich gesagt ganz froh, dass wir die USA verlassen konnten. Es war wunderschön aber auf Dauer waren uns viele Menschen einfach zu oberflächlich, das Essen zu ungesund und die Verpackungen zu plastikreich. Deshalb waren wir auch super gespannt, ob die Kiwis auf die Frage „How are you?!“ wirklich eine Antwort haben wollen…

Der Flug von San Francisco nach Auckland dauerte 13 Stunden. Mit einer Zeitverschiebung von 21 Stunden starteten wir am 22.10. um 20:15 Uhr und landeten am 24.10. früh morgens gegen 05:25 Uhr. Wir konnten beide während des Fluges nicht schlafen. Ihr könnt euch also vorstellen – wir sahen aus wie die Zombies.

Bei der Einreise wurde erstmal mein komplettes Daypack von einem „Lebensmittel-Pflanzen-Outdoorausrüstung-und-Samen-Suchhund“ abgeschlabbert.

Neuseeland macht sehr viel, um seine Flora und Fauna zu schützen. Daher ist extreme Vorsicht geboten, was z.B. das Einschleppen fremder Vegetation angeht. Und sei es nur der Dreck an euren Schuhen. Aktuelle Informationen zu den geltenden Bestimmungen findet ihr hier.

Der Suchhund beschäftigte sich mit meinem Daypack deshalb so ausführlich, weil er wohl die Unmengen an Karottenkuchen und Obst gerochen hat, die ich während unserer Zeit in San Francisco darin transportiert habe.

Um uns nach dem anstrengenden Flug erstmal auszuruhen, hatten wir uns im Grand Chancellor Airport Hotel ein Zimmer gebucht.

Am nächsten Tag sollte es von dort auf die Südinsel nach Queenstown gehen.

Wir müssen an der Rezeption sehr verzweifelt ausgesehen haben als der nette Mann uns sagte, dass der Check-in erst ab 14:00 Uhr ist. Ich habe uns schon in der Lobby schlafen sehen. Man hat uns dann schnell ein gerade freigewordenes Zimmer gereinigt. Dass wir es noch geschafft haben unsere Rucksäcke auszuziehen, bevor wir einschliefen, war schon ein kleines Wunder…

Ausgeschlafen und sehr aufgeregt flogen wir am nächsten Tag nach Queenstown. Kleiner Tipp: Falls ihr mal das Vergnügen habt innerhalb von Neuseeland zu fliegen – fliegt tagsüber. Neuseeland von oben war einfach der Hammer.

In Queenstown angekommen, holten wir erst mal unser Gefährt für die nächsten 18 Tage ab. Zumindest war das der Plan. Gebucht hatten wir den „Lowball“ von Mighty. Und der Name war Programm. Was auf den Katalogbildern ganz gut aussah, war in der Realität eine Katastrophe.

Von der Ausstattung her wären wir klar gekommen. Auch der Rundum-Rost, oder die Tatsache dass es nicht wie versprochen eine Automatikschaltung war – kein Thema. Allerdings ist dieser Camper nicht für Fahrer ausgelegt die zwei Meter groß sind. Der Ausdruck „Affe auf dem Schleifstein“ hätte nicht passender sein können. Christian konnte beim Gas geben nicht mal seinen Fuß richtig hinstellen. Und wie ihr wisst fahre ich sehr gut und gerne Auto – niiiiiicht. Ein Upgrade war an dem Tag leider nicht möglich, man versprach uns aber sich sofort per Email bei uns zu melden, wenn ein größerer Camper verfügbar ist. Bis dahin hieß es Augen zu und durch.

Also haben wir die Kühlbox vollgepackt und ab ging es auf die Straße nach Te Anau. Auf der Strecke bekamen wir schon einen ganz guten Eindruck, was uns die nächsten Wochen erwarten würde. Schneebedeckte Berge, das grüüünste Gras das ich je gesehen habe, und tatsächlich überall Schafe… Ich hab mich direkt am ersten Tag in dieses Land verliebt.

In Te Anau haben wir uns dann einen Campingplatz gesucht und uns erstmal mit dem Camper vertraut gemacht. Ich glaube ich habe noch nie so gefroren wie in unserer ersten Nacht im Camper. Ihr Lieben – im Oktober ist es zwar tagsüber wunderbar sonnig, aber nachts war zittern angesagt.

Schön durchgekühlt fuhren wir am nächsten Tag zum Milford Sound.

Wir hatten Glück, dass die Straße offen war. Es war nämlich noch etwas glatt.

Auf der Strecke kamen wir an wunderschönen Wasserfällen und Flüssen vorbei. Rundum bemooste Bäume und meterhohe Farne gaben uns das Gefühl in einem Zauberwald zu sein. Leider konnte man nicht überall gut halten aber meine Kamera legte ich trotzdem kein einziges Mal aus der Hand.

Am Milford Sound wurden wir dann von riesigen Mückenschwaden begrüßt. Und da wir auf dem Hinweg so schön getrödelt hatten, entkamen wir auch den Busladungen von Chinesen nicht.

Die Bootsfahrt durch den Milford Sound war mit 80 Neuseeland Dollar ziemlich teuer – allerdings auch jeden Cent wert. Dass Milford Sound der nasseste Ort der Welt ist, bekamen wir auch schnell zu spüren. Auf dem ersten Teil unserer Fahrt schüttete es ordentlich. Zum Glück kam dann doch noch die Sonne raus. Natürlich strömten dann schnell alle Passagiere nach draußen an Deck und ich hatte meinen ersten Kulturschock. Bei dem Versuch ein Foto zu machen, wurde ich einfach von mehreren Chinesen beiseite geschubst. Und nein nicht vorsichtig, sondern ziemlich kräftig. Ich stand denen wohl im Weg… Die nächsten Fotos überließ ich Christian. Der hat sich seinen Platz gemacht :-).

Frau Reisehas - Reiseblog gegen Fernweh - Neuseeland - Te Anau bis Milford Sound
Frau Reisehas - Reiseblog gegen Fernweh - Neuseeland - Ein kea vor dem Tunnel nach Milford Sound
Frau Reisehas - Reiseblog gegen Fernweh - Neuseeland - Te Anau bis Milford Sound II
Frau Reisehas - Reiseblog gegen Fernweh - Neuseeland - Wir am Milford Sound
Frau Reisehas - Reiseblog gegen Fernweh - Neuseeland - Ich am Milford Sound
Frau Reisehas - Reiseblog gegen Fernweh - Neuseeland - Seelöwen am Milford Sound
Frau Reisehas - Reiseblog gegen Fernweh - Neuseeland - Postkartenmotiv Milford Sound

Wir sind abends die fast 300 km vom Milford Sound nach Queenstown zurückgefahren und haben uns am Arthurs Point einen Campingplatz gesucht.

Queenstown selbst ist ein echt schönes Städtchen.

Wir haben uns daher ausgiebig Zeit zum Bummeln genommen. Ich musste mir tatsächlich ein Paar Handschuhe und Christian dickere Socken und eine lange Unterhose kaufen. Mit dieser Kälte hatten wir irgendwie nicht gerechnet.

Wir sind sogar nochmal zurück zum Camper-Verleih, um uns zusätzliche Decken und einen kleinen Heizer für die Nacht zu holen. Echt nicht abgehärtet wir zwei Frostbeulen

Frau Reisehas - Reiseblog gegen Fernweh - Neuseeland - Lake Te Anau I
Frau Reisehas - Reiseblog gegen Fernweh - Neuseeland - Unser Lowball und ich am Lake Wakatipu
Frau Reisehas - Reiseblog gegen Fernweh - Neuseeland - Lake Te Anau II
Frau Reisehas - Reiseblog gegen Fernweh - Neuseeland - Enten füttern am Lake Wakatipu
Frau Reisehas - Reisehas gegen Fernweh - Neuseeland - Mein Mann am Lake Wakatipu

Queenstown ist übrigens auch bekannt als Neuseelands Stadt des Adrenalins.

Man kann beispielsweise den riesigen Lake Wakatipu in einem Mini U-Boot in Haiform entdecken, sich in einer Art Schaukel von der höchsten Klippe der Welt stürzen, oder am Bungy Seil von einer Brücke in Kawarau hüpfen.

Dazu muss ich sagen, dass Christian ja schon immer mal „Bungee“ springen wollte. Nur irgendwie kam immer irgendwas dazwischen… Mal war es das schlechte Wetter, der Wind war zu dolle oder kam aus der falschen Richtung. Zu lange Warteschlangen, der Preis… Oder er hatte seine Glückshose nicht an. Er war da durchaus kreativ.

Dass Bungee-Jumping in Neuseeland, in Queenstown, an der Kawarau Brücke von AJ Hackett erfunden wurde, wusste er bis dahin noch nicht.

Die Frau Reisehas aber schon… Und so fuhren wir ganz zuuuufällig in Richtung Bungee-Zentrum. Ich sagte: „Halt doch mal kurz an, ich will mal was gucken…“

Und ich kann euch sagen: Das Wetter war perfekt. Strahlend blauer Himmel. Es gab keine Warteschlange. Wind? Fehlanzeige!

Ich konnte richtig sehen, wie Christian nach weiteren Argumenten suchte. Und als er sagte: „Guck mal wie teuer das ist.“ Da wusste ich, dass ich diesmal gewinne.

Also sagte ich zu ihm: „Ich zahle!“ Da war klar, dass ich gewonnen hatte und er springen muss. Hihi ;-D.

Und so stand er dann in voller Montur auf dieser Brücke. Wurde angeschnallt, bekam seine Instruktionen und lächelte nochmal in die Kamera.

Ich sollte die Fotos machen. Bloß keinen Druck aufbauen, was?! Meine Hand hat so dolle gezittert, dass mir fast die Kamera aus der Hand gefallen wäre.

Und irgendwie sah es so aus, als hätte Christian das doch schon mal gemacht. Also mit meiner Höhenangst wäre das ja nix für mich. Aber als er später breit grinsend vor mir stand, da wusste ich, dass das nicht das letzte Mal gewesen sein wird…

Was hatte ich da nur angerichtet?!

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Frau Reisehas - Reiseblog gegen Fernweh - Neuseeland - Queenstown - Kawarau - Bungee Jumping II
Frau Reisehas - Reiseblog gegen Fernweh - Neuseeland - Queenstown - Kawarau - Bungee Jumping III

Das Gute ist ja, wenn man so weit weg von zu Hause ist, kann einem niemand etwas ausreden. Die Fotos vom Sprung haben wir einen Tag später an Familie und Freunde geschickt. Das ein oder andere Gesicht hätte ich beim Öffnen der Dateien ja gerne gesehen.

Nach diesem adrenalinreichen Zwischenstopp machten wir uns auf den Weg nach Haast. Wäre es nicht so kalt gewesen, wäre ich definitiv in einen der türkisblauen Seen am Straßenrand gehüpft.

Wie kann es eigentlich sein, dass es in Neuseeland nur schöne Ecken gibt!

Unser Campingplatz in Haast sah aus wie ein Flugzeughangar – so cool. Aber vergesst bloß nicht eure Räucherspiralen gegen die Mücken. Man wird sonst echt aufgefressen.

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Im nächsten Artikel machen wir uns dann auf den Weg über den Franz Josef Gletscher nach Greymouth.

Bis bald ihr Lieben,

fernwehreiche Grüße, eure Frau Reisehas