Liebe Mitreisenden,

mit Seelöwen schwimmen in Greenhead war definitiv ein Highlight. Aber auch Geraldton, liebevoll „Gero“ genannt, hat sich als Hauptstadt des Mittelwestens auf jeden Fall von seiner besten Seite gezeigt.

Frau Reisehas - Reiseblog gegen Fernweh -Australien - Westküste - Geraldton - Innenstadt
Frau Reisehas - Reiseblog gegen Fernweh -Australien - Westküste - Geraldton - Innenstadt II
Frau Reisehas - Reiseblog gegen Fernweh -Australien - Westküste - Geraldton - Innenstadt III

Allein am Uferbereich des Town – und Champion Beach kann man Stunden verbringen.. Es ist alles super sauber und die Parkanlagen und Spielplätze sind echt toll.

Endlich konnte ich mal wieder schaukeln und wurde dabei nicht mal komisch angeschaut.

Frau Reisehas - Reiseblog gegen Fernweh -Australien - Westküste - Geraldton - Spielkind

Alle 100 Meter stehen BBQ-Grills, die jeder nutzen kann. Als Australier hat man nämlich das Recht auf eine warme Mahlzeit, das ist sogar gesetzlich festgeschrieben.

Diese BBQs sind abends besser als jede Kneipe, um ins Gespräch zu kommen.

Später haben wir in der Zeitung gelesen, dass Gelder bereitgestellt werden, um den Uferbereich zu sanieren. Witzig wie das hier empfunden wird. Wir haben nichts gesehen, was saniert werden müsste. Es war alles perfekt, funktionsfähig und sauber.

Über „The Esplanade“, eine Mole die weit ins Meer hineinreicht, hat man eine tolle Aussicht auf den Industriehafen von Geraldton. Hier legen im Jahr ungefähr 400 Schiffe an und ab, um Geros Status als zweitgrößter Getreideexporteur Australiens zu halten.

Frau Reisehas - Reiseblog gegen Fernweh -Australien - Westküste - Geraldton - Hafen

15 Millionen Tonnen an Rohstoffen werden hier jährlich umgesetzt. Für eine Stadt mit einer Einwohnerzahl von fast 39 000 ist das schon eine ganze Menge.

Geraldton macht aber nicht nur mit dem Rohstoffhandel Gewinn, sondern vor allem mit dem berühmten Rock Lobster – oder wie der Australier sagt: Crayfish!

Nicht nur Privatleute jagen ihn, dahinter steckt auch eine riesige und millionenschwere Industrie. In Geraldton sitzt die weltgrößte Rock Lobster Fabrik. Und diese haben wir uns mal angeschaut. Ich wollte wissen was hinter dem Hummer steckt, den es sogar bei uns in Deutschland zu kaufen gibt.

Nachdem wir unterschrieben hatten, dass sämtliche Unfälle die wir in der Fabrik haben, auf unsere Kappe gehen, ging es mit festem Schuhwerk und Hut bewaffnet auch schon los. Wir kamen gerade pünktlich zum Arbeitsantritt, daher war es zu Beginn etwas wuselig.

In einer riesigen Halle standen hunderte Becken mit Kisten, die auch alle mit Hummern gefüllt waren. Diese Kisten sollen den natürlichen Lebensraum „Höhle“ imitieren.

Die Fabrik hat insgesamt eine Kapazität von 90 Tonnen Lobster.

Am Förderband positionierten sich Aushilfen (hauptsächlich Backpacker), um die gerade angekommenen Hummer nach Farbe und Gewicht zu sortieren.

Frau Reisehas - Reiseblog gegen Fernweh -Australien - Westküste - Geraldton - Hummerfabrik
Frau Reisehas - Reiseblog gegen Fernweh -Australien - Westküste - Geraldton - Hummerfabrik IV
Frau Reisehas - Reiseblog gegen Fernweh -Australien - Westküste - Geraldton - Hummerfabrik II
Frau Reisehas - Reiseblog gegen Fernweh -Australien - Westküste - Geraldton - Hummerfabrik V
Frau Reisehas - Reiseblog gegen Fernweh -Australien - Westküste - Geraldton - Hummerfabrik III
Frau Reisehas - Reiseblog gegen Fernweh -Australien - Westküste - Geraldton - Hummerfabrik VI

Uns wurde erklärt, dass sich in der Fabrikhalle Hummer im Wert von 5 Millionen australischen Dollar befindet.

Ein großer Hummer ist an die 400 AUD wert.

Wahnsinn, oder?!

99 % gehen allerdings als Lebendware nach China. In China werden pro Kilogramm Hummer zwischen 200 – 300 AUD bezahlt. In Australien bekommt man das Kilo gerade mal für 80 AUD. Das ist für die Fabrik daher also weniger rentabel.

Für die meisten Australier sind 80 AUD pro Kilo allerdings schon unbezahlbar. Das erklärt auch, warum wir hier in der Gegend auf jedem zweiten Auto einen Hummerfangkäfig entdecken.

Das Fangprinzip ist sehr simpel. Der Rock Lobster wird durch Fischköder innerhalb des Käfigs angelockt. In diesen kommt er hinein, allerdings auf Grund seiner Anatomie nicht mehr heraus. Er hat drei Fühler auf dem Kopf, die sich so in den Holzstreben verkeilen, dass er nicht mehr raus kann.

Der vegetarische Hummer kann mit dieser Methode nicht gefangen werden, seine Antennen gehen schön nach vorne. Er kommt also wieder raus aus dem Käfig und ist an dem Fischköder eh nicht interessiert.

Jaja, die Evolution ;-).

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass die Tour, bei uns ihren eigentlichen Zweck absolut verfehlt hat. Wir wurden nicht zum Kaufen animiert. Die Massen die in dieser Fabrik umgesetzt werden, waren einfach zu viel. Ein Hummer normaler Verkaufsgröße ist 4 bis 5 Jahre alt und ich kann mir trotz Fangquoten nicht vorstellen, dass das Meer ihn unbegrenzt nachliefern kann und wird.

Und warum muss Hummer eigentlich immer und überall verfügbar sein?

Warum essen wir ihn nicht einfach nur dort, wo er herkommt?!

Nach diesen Eindrücken ließen wir es erstmal etwas ruhiger angehen und spazierten Richtung Western Australian Museum. Dieses Museum kann ich auch jedem Museumsmuffel vorbehaltlos empfehlen! Die Ausstellungen zur indigenen Kultur Australiens, berühmten Schiffswracks vor der Küste und des Untergang der HMAS Sydney II waren sehr anschaulich und mit viel Ton- und Filmaufnahmen aufgepeppt.

Wir wussten, dass es in „Gero“ ein HMAS Sydney II Memorial gibt. Hatten uns allerdings noch nicht mit der Geschichte dahinter beschäftigt. Daher saßen wir erstmal ziemlich unbedarft im 3D-Film zum Untergang dieses Schiffes. Gezeigt wurden Aufnahmen der Sydney II und der Kormoran. Diese Schiffe wurden erst 67 Jahre nachdem sie gesunken waren, in 2.5 km Tiefe vor der Shark Bay, unweit von Geraldton, entdeckt.

Während des Films wurden Zitate von Überlebenden der Kormoran eingeblendet und anhand der vielen Namen machte es dann irgendwann „Klick“.

Die Kormoran war ein deutsches Schiff. Dieses geriet 1941 mit der Sydney II in ein Gefecht. Von der 645 Mann starken Besatzung der Sydney II gab es keine Überlebenden. Die Besatzung der Kormoran wurde größtenteils gerettet. Beide Schiffe wurden während des Gefechts stark beschädigt und sanken. Erst 2015 war es möglich Filmaufnahmen der beiden Wracks zu machen.

Ganz ehrlich – anhand der betroffenen Gesichter der Australier um uns herum, trauten wir uns im ersten Moment gar nicht mehr zu sagen wo wir herkommen. Aber so schrecklich dieses Ereignis auch war, am Ende ist es ein Stück Geschichte das wir teilen.

Daher gingen wir nach unserem Museumsbesuch direkt zum HMAS Sydney II Memorial, welches über der Stadt thront.

Hier wurde viel mit Symbolen gearbeitet. Zum Beispiel besteht die Kuppel des Memorials aus 645 Seemöwen, für jedes Opfer eine. Das Memorial selbst ist kreisförmig angelegt, um Unendlichkeit, Vollkommenheit und Ewigkeit zu symbolisieren.

Frau Reisehas - Reiseblog gegen Fernweh -Australien - Westküste - Geraldton - Memorial
Frau Reisehas - Reiseblog gegen Fernweh -Australien - Westküste - Geraldton - Memorial II

Am meisten beeindruckt hat mich aber die „wartende Frau“. Diese Skulptur schaut auf das Meer hinaus. Am Ehering an ihrer linken Hand erkennt man, dass sie dort ausharrt und auf die Rückkehr ihres Mannes wartet. Man erkennt richtig die Verzweiflung in ihrem Blick. Ein absoluter Gänsehautmoment.

Frau Reisehas - Reiseblog gegen Fernweh -Australien - Westküste - Geraldton - Die wartende Frau

Auf geht’s weiter nach Kalbarri – die Pelikane warten.

Fernwehreiche Grüße,

eure Frau Reisehas